YLAB- geisteswisschenschaftliches Schülerlabor der Universität Göttingen

Wie klingen Vergil, Ovid und Co.? Experimente mit dem Iktus

Seminar für Klassische Philologie,
Nils Jäger

„Es war ein spannender und informativer Tag.“
SchülerIn des Gymnasiums Uslar, 24.02.2016

„Insbesondere in Latein und Deutsch hilft es mir sehr!“
SchülerIn des Gymnasiums Uslar, 24.02.2016

Wie hat man Latein ausgesprochen? Diese Frage stellt sich praktisch von selbst, sobald man sich mit lateinischen Texten befasst. Sie zu beantworten ist nicht ohne Weiteres möglich: Die Antike verfügte bekanntlich noch nicht über unsere heutigen Tonträger, native speaker im engeren Sinne gibt es keine mehr.

Inhalt
Dieser YLAB-Workshop führt exemplarisch vor, wie Klassische Philologie und Allgemeine Sprachwissenschaft ihre heutigen Erkenntnisse gewonnen haben (z.B. anhand antiker Grammatiken und Metriken, inschriftlicher und literarischer Zeugnisse sowie der romanischen Sprachen) und was diese Erkenntnisse für den Vortrag lateinischer Verse implizieren. Ausgehend davon werden die Schülerinnen und Schüler ausgewählte Textstellen sprachlich-metrisch analysieren und vortragen. Auf Wunsch können gerne (auch) Texte metrisch erarbeitet werden, die gerade Unterrichtsthema sind.
Ein Problem: Auch heute noch weit verbreitet ist der sogenannte „iktierende“ Vortrag, für den daktylischen Hexameter bedeutet das: Die/der Vortragende betont jedes Mal die erste Silbe eines Metrums, dabei entspricht die Betonung nicht notwendigerweise dem eigentlichen Wortakzent.
Doch diese Art von Iktus ist eine Erfindung der Frühen Neuzeit. Vergil und seine Zeitgenossen trugen die Gedichte anders vor: Sie realisierten den natürlichen Wortakzent und berücksichtigten die Silben-Quantitäten.
Diese Vortragsweise erscheint modernen Ohren zunächst ungewohnt, ist aber letztlich problemlos erlernbar. Im Anschluss daran wollen wir fragen: Was haben die antiken Dichter und Metriker unter dem ictus verstanden? Wie haben sich (lateinische) Sprache und (abendländische) Musik gewandelt, so dass der „moderne“ Iktus aufkommen konnte?

Organisatorisches
Dieses Projekt

  • richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Oberstufe im Klassen- oder Kursverband
  • kann in Gruppen mit bis zu 30 Personen stattfinden
  • setzt grundsätzliches Interesse an wissenschaftlichem Arbeiten voraus
  • dauert in der Regel von 9 bis ca. 16 Uhr (inkl. Mittagspause)
  • kostet nur 2€/TeilnehmerIn