YLAB- geisteswisschenschaftliches Schülerlabor der Universität Göttingen

Das „Deutschlandbild“ in der Renaissance: Tacitus und Piccolomini

Abteilung für Lateinische Philologie des Mittelalters,
Carl-Friedrich Bieritz, MA

 

Latein war bis ins 17. Jahrhundert die wichtigste Literatursprache Europas. Was bedeutet diese Dominanz des Lateinischen jedoch konkret? Wie wirkten die Autoren, die heute im Schulunterricht gelesen werden, auf die Schriftsteller des Mittelalters und der Neuzeit? Wer waren die Leser der nachantiken lateinischen Literatur? Welche Gründe machten das nachantike Latein so bedeutsam und weshalb sind die zahlreichen Werke in dieser Sprache heute größtenteils vergessen?

Inhalt

Diese halbtätige Veranstaltung gibt einen Einblick in die mittel- und neulateinische Literatur und vermittelt Herangehensweisen, mit denen Lateinlernende einen Zugang zu den zahlreichen Werken dieser Literatur finden können. Die SchülerInnen können auf diese Weise erleben, dass sie mit der lateinischen Sprache Kompetenzen und Kenntnisse erwerben, die für das Verständnis großer Teile der europäischen Kultur- und Literaturgeschichte unentbehrlich sind. Zugleich erhalten sie Einblicke in das universitäre Fach „Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit.“

Den Schwerpunkt bilden zwei Texte, die bei der Herausbildung eines deutschen „Nationalbewusstseins“ eine wichtige Rolle gespielt haben: Die erst im fünfzehnten Jahrhundert wiederentdeckte Germania des römischen Geschichtsschreibers Tacitus und die 1457 verfasste sogenannte Germania des Enea Silvio Piccolomini (später Papst Pius II.). An der Wirkung dieser beiden Werke lassen sich die literatur- und kulturgeschichtlichen Aspekte und die europaweite Bedeutung des Lateinischen aufzeigen. Reizvoll sind diese Texte nicht zuletzt auch wegen ihrer auch heute noch aktuellen politischen Dimension.

Neben der Erarbeitung und Interpretation von Textauszügen soll in der Veranstaltung auch auf die Grundkompetenz im Lesen alter Handschriften und früher Drucke eingegangen werden. Die SchülerInnen sollen so für den Umstand sensibilisiert werden, dass ein Großteil der lateinischen Literatur nur in Handschriften bzw. in nicht immer leicht zugänglichen Drucken vorliegt, und auch ein Gespür dafür bekommen, worin die Herausforderungen editorischen Arbeitens bestehen.

Organisatorisches
Dieses Projekt

  • richtet sich an SchülerInnen der SEK II mit Lektüreerfahrung
  • findet in den Räumen des YLAB statt
  • kann im Kurs- oder Klassenverband besucht werden und steht auch Einzelinteressierten offen
  • dauert in der Regel 6 Stunden (kann allerdings zeitlich flexibel angeboten werden); Termine nach Vereinbarung
  • kostet nur 2 €/TeilnehmerIn